Wie geht den eigentlich der Sir

Wie geht es eigentlich der “Sir Shackleton“ ?

Letztes Jahr im August ist der schöne 2-Mast-Traditionssegler in St. Alban gesunken.

Die Bergung war aufwendig und erfolgreich. Seitdem steht das Schiff im Winterlager in Utting


Riederau – 16. Februar 2021
Der Schrecken war groß am Morgen des 18. August 2020. Miteigner und Skipper des 2-Mast-Holz- Segelschiffes „Sir Shackleton“ Klaus Gattinger erinnert sich an den Anruf einer Seglerin. „…mein Mann hat mich gerade aus dem Bojenfeld aus angerufen. Du solltest mal raus fahren, die „Sir“ ist gesunken.“Nur noch die beiden Masten ragten aus dem Wasser. Das kann man im ersten Moment gar nicht glauben, was man da sieht. Nie im Leben konnten wir uns vorstellen, dass ein so robustes Schiff wie die „Sir Shackleton“ sinken könnte.“ erzählt Gattinger.

„Die Nachricht hat mir Klaus zuerst als SMS zugeschickt und ich dachte nur, er macht heute aber blöde Scherze“ erzählt Christian Seelos, dem das Schiff zusammen mit Gattinger gehört. „Am Telefon habe ich ihn dann gefragt, ob das sein Ernst sei. An seiner Stimme habe ich dann gemerkt, dass es kein Scherz ist. “Da für die Bergung des knapp 10 Tonnen schweren Schiffes notwendige Ausrüstung am Ammersee nicht verfügbar war, musste ein auf Bootsbergungen spezialisiertes Team vom Attersee in Oberösterreich angefordert werden. Die Bergung war aufwendig. Insgesamt 30 Helfer von Wasserwacht, Feuerwehr, Dießener Segelclub, Wasserschutzpolizei und dem Bergeteam waren seit den frühen Morgenstunden im Einsatz um die „Sir“ aus ca. 7 Metern Tiefe behutsam und vorsichtig wieder ans Licht zu bringen. Als das Schiff leergepumpt wurde, konnte der leitende Sachverständige die Untergangsursache schnell finden: eine Schraubtülle, die den Kühlwasserschlauch mit der Wasserpumpe verbindet, war gebrochen. Ein Ermüdungsbruch, nicht einzusehen und nicht vorhersehbar. Alte Schiffe bergen nun mal viele Überraschungen.

Seit Anfang September 2020 steht das Schiff auf dem Freigelände der Steinlechner Werft in Utting unter einer Winterplane. Der Motor, ein Mercedes Benz OM 636 aus dem Jahr 1952 musste ausgebaut und konserviert werden. Auch die gesamte Elektrik ist zerstört und inzwischen ausgebaut.
Die Möbel im Salon des schönen Seglers sind vom Wasser komplett durchweicht und mussten ebenfalls herausgerissen werden. Lediglich der Toilettenraum und der Schrank in der kleinen Pantry sind noch im Schiff. Die noch stehenden Trennwände werden wohl auch noch ausgebaut. „Der Rumpf hat den Untergang recht gut überstanden. Nur im hinteren Teil des Schiffes, im Heck sind ein paar Spanten gebrochen. Ansonsten ist da alles ganz ok“ meint Gattinger, der das Schiff schon mit einem Gutachter in Augenschein genommen hat. „Aber der Großmast hat bei der Bergung einen Schlag im Topp, der Mastspitze abbekommen. Das müssen wir uns noch genauer ansehen. Der Groß- und Besanbaum ist schon abgezogen, die können schon austrocknen und auch das Schiff selbst trocknet auch langsam aber sicher.“ berichtet Klaus Gattinger.

Auf die Frage, wie es denn mit dem stolzen 2-Mast-Segelschiff weitergehen wird, blicken die beiden Eigner etwas nachdenklich drein. „Viele unserer Gäste und Freunde der „Sir“ fragen schon nach, wann sie denn wieder schwimmt. Und wir haben auch schon einige Buchungsanfragen für dieses Jahr bekommen.“

Die Instandsetzung nach dem Untergang ist aufwendig. Ein neuer Motor ist notwendig, neue Elektrik, neue Inneneinrichtung, Mastreparatur und unzählige Stunden Schleifen und Lackieren stehen auf der Arbeitsliste. „Das ist ein echtes Abenteuer, auf das man sich da einlassen müsste. Denn obwohl das Schiff ja jetzt fast leer ist kann es immer noch einige Überraschungen geben, von denen wir im Moment noch gar nichts wissen. Also bleibt die Sache bis ganz zum Schluss spannend – und kann auch immer schiefgehen – eben ein echtes Abenteuer“ meint Gattinger.„Aber das Leben spielt da auch eine Rolle und spricht ein Wörtchen mit“ meint Seelos, der mit seiner ruhigen und gelassenen Art als Skipper der „Sir“ bei den Gästen sehr geschätzt und beliebt ist.

„Ich habe nach dem Untergang unserer „Sir“ lange nachgedacht. Es war schon die Erfüllung eines Traums, dieses besondere Schiff an den Ammersee zu holen. Und in den 10 Jahren, die wir die „Sir“ nun schon segeln, haben wir viele tolle Törns und schöne Momente mit unseren Gäste an Bord erlebt. Eine echt gute Zeit. Aber es gibt für mich verschiedene persönliche Gründe an dieser Stelle aufzuhören. Das habe ich Klaus (Gattinger) dann auch gesagt und er konnte das gut verstehen und akzeptieren.“ „Dass Christian diese Entscheidung getroffen hat, kann ich absolut verstehen, auch wenn ich es sehr schade finde. Nach wie vor sind wir freundschaftlich eng verbunden und werden auch weiter miteinander segeln“ erklärt Gattinger. Mit dem Ausscheiden von Christian Seelos verliert die “Sir Shackleton“ einen ihrer beliebten Skipper und wichtigen “Anpacker“.

Rein rational betrachtet, ist die Instandsetzung eines alten Holzschiffes wohl kaum sinnvoll. Die Kosten sind hoch, es gibt unendlich viel Arbeit, es braucht Durchhaltevermögen und ein Scheitern des Projektes ist nie ganz auszuschließen. „Aber was ist beim Segeln schon rational? Das herrliche Gefühl nur von der Kraft des Windes, der einem die Haare verwuschelt, angetrieben zu werden, die unsagbar schönen Sonnenuntergänge auf dem See und die Törns unter dem Sternenhimmel. Was ist dabei bitte rational? Es ist Emotion pur, Staunen, Lebenslust und Freude. Und die „Sir Shackleton“ aufgeben? Nein, die Entscheidung, die „Sir“ wieder Instand zu setzen ist keine rationale Entscheidung. Es ist die Entscheidung für ein Abenteuer“ meint Gattinger. Auf die Frage, ob er denn bereit ist für ein Abenteuer, antwortet er nicht. Nur ein kleines Lächeln ist zu sehen.

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